Von Jürgen L. und Joerg S.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr ein T-Shirt kauft und es fünf Jahre später immer noch wie neu aussieht – trotz unzähliger Waschgänge? Willkommen in der Welt von UNIQLO, dem japanischen Modeunternehmen, das bewiesen hat, dass Qualität und Erschwinglichkeit keine Gegensätze sein müssen. Und nein, das ist kein Marketing-Geschwafel – wir sprechen aus Erfahrung, denn unsere heißgeliebten Sake-T-Shirts (ja, T-Shirts mit Logos japanischer Sake-Brauereien) überleben jeden Waschgang und sehen immer noch tadellos aus. Als Vorstandsmitglieder von Sake Lovers München e.V. wissen wir, zumindest hoffen wir das, wovon wir sprechen – sowohl bei Sake als auch bei Textilqualität. 😄🍶

Aber was macht UNIQLO so besonders? Warum ist das Unternehmen nicht einfach nur ein weiterer Fast-Fashion-Player, sondern eine echte japanische Erfolgsgeschichte mit globaler Strahlkraft? Lasst uns ein wenig eintauchen in eins der spannendsten Bekleidungsunternehmen der Welt.

Die Anfänge: Vom Schneiderladen zum globalen Imperium

Die Geschichte von UNIQLO beginnt nicht in den glamourösen Modemetropolen Tokio oder Paris, sondern in der kleinen Hafenstadt Ube in der Präfektur Yamaguchi – fernab vom Trubel der Großstädte. Dort betrieb Tadashi Yanais Vater seit 1949 einen bescheidenen Herrenschneiderladen namens „Ogori Shoji“ – immerhin damals schon mit 22 Filialen.

Tadashi Yanai, geboren 1949, wuchs in diesem Umfeld auf und übernahm 1984 die Geschäftsführung – mit großen Plänen. Inspiriert von Reisen nach Europa und in die USA, wo er Ketten wie Benetton, Gap und Esprit entdeckte, erkannte er das Potenzial für erschwingliche, hochwertige Freizeitkleidung in Japan.

1984: Die Geburt von UNIQLO
In Hiroshima eröffnete Yanai-san seinen ersten „Unique Clothing Warehouse“ – einen Laden, der Kleidung wie in einem Lagerhaus präsentierte: simpel, funktional, preiswert. Der Name wurde später zu „UNIQLO“ verkürzt – ein glücklicher Zufall, der aus einem Registrierungsfehler entstand, als statt „UNICLO“ versehentlich „UNIQLO“ eingetragen wurde. Yanai-san behielt den Namen bei.

1991: Fast Retailing wird geboren
Yanai-san benannte das Familienunternehmen in „Fast Retailing“ um – eine Anspielung auf das Fast-Food-Prinzip: schnell, effizient, konsistent. Doch anders als McDonald’s sollte UNIQLO nicht auf Masse, sondern auf Qualität in der Masse setzen.

Bis 1998 hatte UNIQLO bereits über 300 Filialen in Japan eröffnet. Der Durchbruch kam mit den legendären Fleece-Jacken, die für umgerechnet 15 Euro verkauft wurden und zu einem kulturellen Phänomen wurden. 2000 hatte fast jeder vierte Japaner ein UNIQLO-Fleece im Schrank.

Die globale Expansion:
2001 wagte UNIQLO den Sprung ins Ausland – mit 21 Filialen in Großbritannien. Ein Desaster. 16 der 21 Läden mussten binnen kurzer Zeit wieder schließen. Doch Yanai-san gab nicht auf. Seine Philosophie? „One Win, Nine Losses“ – der Titel seiner Autobiografie. Neun Mal scheitern ist okay, solange man beim zehnten Mal gewinnt.

Heute hat UNIQLO über 2.400 Filialen in mehr als 25 Ländern, und Tadashi Yanai ist mit einem geschätzten Vermögen von 50,3 Milliarden US-Dollar der reichste Mann Japans.

Was macht UNIQLO so besonders?

1. „LifeWear“ – Kleidung fürs Leben

UNIQLO bezeichnet sich nicht als Modemarke, sondern als Technologieunternehmen. Yanai-san sagt: „UNIQLO is not a fashion company, it’s a technology company.“

Das Konzept heißt LifeWear: einfache, hochwertige Alltagskleidung mit praktischem Schönheitssinn – durchdacht für die Bedürfnisse des Lebens und ständig weiterentwickelt.

Die technologischen Innovationen von UNIQLO sind beeindruckend. Da ist zum Beispiel HEATTECH, eine ultradünne Wärmespeicher-Unterwäsche, die Körperwärme speichert und selbst an kalten Wintertagen für angenehme Wärme sorgt. Für heiße Sommertage gibt es AIRism, atmungsaktive und feuchtigkeitsregulierende Stoffe, die während der Pandemie sogar als Gesichtsmasken ein Riesenerfolg wurden. Die Ultra Light Down Daunenjacken sind so kompakt, dass sie problemlos in eine Handtasche passen, ohne an Wärmeleistung einzubüßen. Und für Sportbegeisterte gibt es DRY-EX, schnell trocknende Sportbekleidung, die Feuchtigkeit optimal ableitet.

2. Vertikale Integration

Anders als viele Konkurrenten kontrolliert UNIQLO die gesamte Wertschöpfungskette – von Design, über Produktion bis Vertrieb. Das ermöglicht eine präzise Kostenkontrolle, da keine Zwischenhändler involviert sind. Die schnelle Reaktion auf Marktbedürfnisse ist ein weiterer Vorteil: Nachproduktionen erfolgen innerhalb von Tagen, nicht Wochen oder Monaten. Zudem gewährleistet die direkte Kontrolle über Materialien und Herstellungsprozesse eine konsequente Qualitätssicherung – über alle Produktionsstufen hinweg.

3. Die 23 Management-Prinzipien

Yanai-san hat 23 Führungsprinzipien entwickelt, die in jedem UNIQLO-Mitarbeiter verankert werden. Die Essenz dieser Prinzipien lässt sich in drei Kernpunkten zusammenfassen: Kunden stehen immer an erster Stelle, Selbstkritik und ständige Verbesserung sind Teil der Unternehmens-DNA und der gesellschaftliche Beitrag wird als zentrale Verantwortung verstanden.

Japanische Philosophie: Zen trifft Mode

Wabi-Sabi: Die Schönheit der Einfachheit

UNIQLO verkörpert das japanische Konzept Wabi-Sabi – die Wertschätzung für Schlichtheit, Bescheidenheit und natürliche Unvollkommenheit. Statt schreiender Logos und übertriebener Designs setzt UNIQLO auf eine reduzierte Ästhetik mit klaren Linien und neutralen Farben. Die Funktionalität steht im Vordergrund nach dem Prinzip „Form folgt Funktion“. Zeitlosigkeit ist ein weiterer Kernaspekt: Trends werden bewusst ignoriert zugunsten von Designs, die über Jahre hinweg Bestand haben.

Kaizen: Ständige Verbesserung

Ein weiteres zentrales Prinzip ist Kaizen – die Philosophie der kontinuierlichen, schrittweisen Verbesserung. UNIQLO perfektioniert seine Produkte Jahr für Jahr in kaum wahrnehmbaren aber bedeutsamen Details. Jedes Jahr werden Stoffe optimiert, um noch bessere Trageeigenschaften zu erreichen. Schnitte werden minimal angepasst, basierend auf Kundenfeedback und Tragetests. Produktionsprozesse werden kontinuierlich effizienter gestaltet, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen.

Ma: Der Raum dazwischen

Ma bezeichnet den Wert von Leerraum und Pause. UNIQLO-Stores sind bewusst minimalistisch gestaltet – keine visuelle Überladung, sondern Raum zum Atmen und Fokussieren.

Warum UNIQLO NICHT Fast Fashion ist (und warum das gut ist)

Hier wird’s interessant. Viele werfen UNIQLO in einen Topf mit Zara, H&M oder Shein. Das ist falsch und nicht zielführend.

Der fundamentale Unterschied zu Fast Fashion:

Während Fast-Fashion-Giganten wie Zara und H&M aktuelle Laufsteg-Trends innerhalb von zwei Wochen kopieren und in die Läden bringen, ignoriert UNIQLO Trends komplett und setzt auf zeitlose Basics. Die Produktion erfolgt nicht kurzfristig auf Nachfrage, sondern wird strategisch bis zu einem Jahr im Voraus geplant. Statt billiger Materialien mit kurzer Lebensdauer verwendet UNIQLO hochwertige Stoffe, die jahrelange Haltbarkeit garantieren. Während Fast-Fashion-Marken auf ständig wechselnde Kollektionen setzen, bleiben UNIQLOs zeitlose Basics über Saisons hinweg im Sortiment. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Philosophie: Fast Fashion fördert eine „Wegwerf-Mentalität“, während UNIQLO das Prinzip „Kauf weniger, aber besser“ vertritt.

Yanai-san selbst sagt: „We will never, ever offer disposable clothing.“

Die Kritik bleibt dennoch berechtigt:

Trotz dieser fundamentalen Unterschiede produziert UNIQLO 500 Millionen Kleidungsstücke pro Jahr – das ist Massenproduktion. Die Frage ist: Kann man nachhaltig sein, wenn man in solchen Dimensionen produziert?

Nachhaltigkeit bei UNIQLO: Mehr als nur Grün

1. Ökologische Nachhaltigkeit (die grüne Seite):

UNIQLO hat 2020 die Fashion Industry Charter for Climate Action unterzeichnet und sich zu ambitionierten Zielen verpflichtet. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 30 Prozent reduziert werden. Der Wasser- und Energieverbrauch in Produktionsstätten soll um 15 bzw. 10 Prozent sinken. Das RE.UNIQLO Recycling-Programm ermöglicht es Kunden, alte Kleidung in den Stores zurückzugeben. Zudem verwendet UNIQLO bei Daunenprodukten ausschließlich nach dem Responsible Down Standard (RDS) zertifizierte Daunen ohne Lebendrupf.

Aber: Aktuell bestehen nur 8,5 Prozent der Kleidungsstücke aus recycelten oder emissionsarmen Materialien. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 50 Prozent steigen – es bleibt also viel zu tun.

2. Soziale Nachhaltigkeit:

UNIQLO arbeitet eng mit der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) zusammen und hat über 20 Millionen Kleidungsstücke an Geflüchtete in 62 Ländern gespendet. Tadashi Yanai persönlich hat 10 Millionen Dollar für humanitäre Krisen gestiftet und sieht gesellschaftliche Verantwortung als integralen Bestandteil unternehmerischen Handelns.

Kritikpunkte:
Die Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben bleiben ein sensibles Thema. UNIQLO wurde beispielsweise wegen ausstehender Abfindungen an indonesische Arbeiter kritisiert. Transparenz ist zwar vorhanden, aber noch nicht auf dem Niveau, das echte Vorreiter in der Branche erreicht haben.

3. Ökonomische Nachhaltigkeit:

UNIQLO setzt auf langfristige Geschäftsbeziehungen statt kurzfristiger Gewinnmaximierung. Das zeigt sich in fairen, langfristigen Verträgen mit Zulieferern, die Planungssicherheit auf beiden Seiten schaffen. Das Unternehmen investiert kontinuierlich in seine Produktionsstandorte und beteiligt sich nicht am destruktiven Wettlauf um die niedrigsten Preise, der viele Konkurrenten charakterisiert.

4. Kulturelle Nachhaltigkeit:

UNIQLO bewahrt japanische Handwerkskunst und kombiniert sie mit moderner Technologie. Kooperationen mit renommierten Designern wie Jil Sander (+J-Kollektion) oder Christophe Lemaire (U-Kollektion) zeigen den tiefen Respekt vor Design-Exzellenz und die Bereitschaft, Qualität über schnelle Trends zu stellen.

Japan vs. Europa: Basics vs. Hipster-Kult

In Japan:

UNIQLO ist der Basics-Shop schlechthin. Jeder – vom Schüler bis zum Geschäftsmann – kauft dort Unterwäsche, T-Shirts, Socken. Es ist alltäglich, unaufgeregt, fast unsichtbar.

In Europa/USA:

UNIQLO wird als modischer, minimalistischer Lifestyle-Brand wahrgenommen – beliebt bei urbanen „Hipstern“, Designern, Kreativen. Die Stores in Soho (New York) oder am Kurfürstendamm (Berlin) sind Anziehungspunkte.

Warum der Unterschied?
In Japan ist UNIQLO überall präsent und gehört zum normalen Alltag – vergleichbar mit einem Supermarkt für Kleidung. Im Westen hingegen ist UNIQLO relativ neu, wird als frisch und exotisch-japanisch wahrgenommen. Die minimalistische, zen-artige Ästhetik spricht westliche Design-Fans besonders an, die in der reduzierten Formensprache eine willkommene Alternative zu überladenen Modetrends sehen.

Geschäftspraktiken: Innovation auf allen Ebenen

1. Online-Handel:

UNIQLO hat früh auf E-Commerce gesetzt und kombiniert Online mit Offline in einer nahtlosen Customer Journey. Das Click & Collect System ermöglicht es Kunden, online zu bestellen und die Ware bequem im Store abzuholen. Die Mobile App bietet personalisierte Empfehlungen basierend auf Kaufhistorie und Präferenzen sowie exklusive Angebote für App-Nutzer. In einigen Märkten experimentiert UNIQLO sogar mit Live Shopping, bei dem Livestream-Verkaufsevents ein interaktives Einkaufserlebnis schaffen.

2. Marketing:

UNIQLO setzt auf subtiles, storytelling-basiertes Marketing, das die Produkte in den Kontext des Alltags stellt. Kooperationen mit Sportgrößen wie Roger Federer, Novak Djokovic und Golfprofi Adam Scott unterstreichen die Performance-Qualität der Kleidung. Künstler-Kooperationen mit KAWS, Keith Haring oder Takashi Murakami bringen kreative Energie in die Kollektionen. Besonders die UT (UNIQLO T-Shirts) Linie mit Grafikdesign-Kollektionen zu Popkultur, Anime und Kunst hat eine treue Fangemeinde entwickelt.

3. Store-Design:

UNIQLO-Stores sind Theater des Einkaufens, die ein besonderes Markenerlebnis schaffen. Große Flagship-Stores wie der 12-stöckige UNIQLO Tokyo dienen als Marken-Erlebnis und Attraktion. Die charakteristischen Farbverläufe bei T-Shirt-Wänden – von hell nach dunkel sortiert – sind zum visuellen Erkennungsmerkmal geworden. Selbstbedienungs-Kassen und Kleidungs-Recycling-Boxen direkt im Store unterstreichen die Philosophie von Effizienz und Nachhaltigkeit.

PLST: Der Premium-Bruder (nur für Japan)

PLST (Plus T – gesprochen: „PlasTi“) ist UNIQLOs Premium-Linie – und ein gut gehütetes Geheimnis außerhalb Japans.

Was ist PLST?
PLST bietet noch höhere Qualität mit edleren Stoffen und raffinierteren Schnitten als die Hauptmarke UNIQLO. Das Design ist erwachsener und weniger casual, dafür mehr Business-tauglich. Die Marke ist bewusst nur in Japan erhältlich, wo die Preise etwa 20 bis 40 Prozent über denen von UNIQLO liegen.

Warum nur Japan?
PLST dient als „Labor“ für neue Konzepte und Produkte, die später eventuell global bei UNIQLO eingeführt werden. Es ist UNIQLOs Experimentierfeld, um innovative Ideen zunächst im anspruchsvollen heimischen Markt zu testen, bevor sie internationalisiert werden.

Wachstumspfad: Von Hiroshima in die Welt

Die nationale Expansion in Japan:

Die Wachstumsgeschichte in Japan ist beeindruckend. 1984 startete alles mit einem einzigen Store in Hiroshima. Bis 1998 waren es bereits 300 Stores, im Jahr 2000 erreichte UNIQLO 400 Filialen. Heute betreibt das Unternehmen rund 800 Stores (auch kleinere in Bahnhöfen) im Heimatmarkt Japan.

Der internationale Durchbruch:

Die internationale Expansion verlief nicht ohne Rückschläge. 2001 öffnete UNIQLO 21 Stores in London – ein Fehlstart, bei dem 16 der 21 Läden wieder geschlossen werden mussten. Doch der Markteintritt in Shanghai 2002 war ein voller Erfolg. 2005 folgte der wichtige US-Markt mit einem Store in New York Soho. Ab 2014 beschleunigte sich die Europa-Expansion mit Filialen in Deutschland, Frankreich und Spanien. Heute betreibt UNIQLO weltweit über 2.400 Stores in mehr als 25 Ländern.

Das ambitionierte Ziel: Yanai will UNIQLO zur größten Bekleidungsmarke der Welt machen – vor Zara und H&M. Das Umsatzziel liegt bei 10 Billionen Yen, was etwa 67 Milliarden Euro entspricht.

Qualität & Tragekomfort: Das Geheimnis der Langlebigkeit

Zurück zu unseren Sake-T-Shirts 👕🍶 Warum halten die so lange?

1. Stoffqualität:

UNIQLO investiert massiv in Materialforschung. Die Supima-Baumwolle ist langfaserig und besonders weich, was sie von normaler Baumwolle deutlich abhebt. Merino-Wolle wird extra-fein verarbeitet und kratzt nicht, selbst bei empfindlicher Haut. Bei synthetischen Materialien setzt UNIQLO auf High-Performance-Fasern, die langlebig und formstabil bleiben, selbst nach vielen Waschgängen.

2. Fertigung:

Die Fertigungsdetails machen den Unterschied. Doppelte Nähte an Belastungspunkten wie Schultern und Seitennähten sorgen für außergewöhnliche Haltbarkeit. Verstärkte Kragen bei T-Shirts verhindern das typische Ausleiern. Hochwertige YKK-Reißverschlüsse funktionieren auch nach Jahren noch einwandfrei.

3. Farbbeständigkeit:

UNIQLO nutzt spezielle Färbeverfahren, die selbst nach 50 und mehr Wäschen kaum verblassen – ein deutlicher Qualitätsunterschied zu vielen Konkurrenten.

Fun Fact: Die Sake-T-Shirts, die wir so lieben, gibt’s (leider) nur in Japan – oft in Zusammenarbeit mit lokalen Sake-Brauereien (Kuras). Sie sind ein Muss für uns als Vorstände von Sake Lovers München 😄

UNIQLO und Zen: Die Philosophie hinter der Fassade

Es ist kein Zufall, dass UNIQLO so minimalistisch, ruhig und klar wirkt. Das Unternehmen ist tief in Zen-Prinzipien verwurzelt:

1. Mu () – Die Leere

Zen lehrt, dass Leere Fülle ist. UNIQLO-Kleidung verzichtet konsequent auf Logos, Schnickschnack und Extravaganz – und genau darin liegt ihre Stärke. Die Kleidung tritt zurück, damit der Träger im Vordergrund steht.

2. Ichigo Ichie (一期一会) – Einzigartiger Moment

Das Prinzip „Jeden Moment als einmalig schätzen“ prägt UNIQLOs Ansatz. Das Unternehmen produziert nicht für die Ewigkeit, sondern für das Hier und Jetzt – aber immer mit Respekt vor der Zukunft und der Verantwortung für kommende Generationen.

3. Shoshin (初心) – Der Anfängergeist

Selbst nach 40 Jahren Erfolgsgeschichte bleibt Yanai demütig. Seine Philosophie spiegelt sich in seinem berühmten Zitat wider: „I’ve made many mistakes.“ Zen lehrt, immer lernbereit zu bleiben und nie zu glauben, man hätte bereits alles erreicht – und genau das praktiziert UNIQLO.

4. Kanso (簡素) – Einfachheit

Weniger ist mehr. UNIQLO verzichtet auf Überflüssiges und konzentriert sich auf das Wesentliche – hochwertige Basics, die funktionieren und den Alltag der Menschen besser machen, ohne sich aufzudrängen.

Die Zukunft: Wohin steuert UNIQLO?

Tadashi Yanai, mittlerweile 76 Jahre alt, spricht seit Jahren von Rücktritt – arbeitet aber weiter mit der Energie eines 40-Jährigen. Sein neuestes Ziel trägt den Namen „The Fourth Frontier: Challenge, Take Action, Achieve.“

Die Pläne für die nächsten Jahre sind ambitioniert: UNIQLO plant die Verdoppelung der US-Stores bis 2027 von aktuell 72 auf rund 200 Filialen. Die Expansion in bisher unterrepräsentierte Märkte wie Südamerika und Afrika steht auf der Agenda. Im Bereich Digitalisierung setzt das Unternehmen auf KI-gestützte Größenberatung und virtuelle Anproben. Beim Thema Nachhaltigkeit lautet das Ziel, bis 2030 50 Prozent recycelte oder emissionsarme Materialien zu verwenden.

Yanai-san sagt dazu: „I believe that the founder of a company never truly retires.“ Solange er lebt, wird er UNIQLOs Seele sein und die Vision des Unternehmens prägen.

Fazit: Eine Erfolgsgeschichte mit Herz und Verstand

UNIQLO ist mehr als ein Bekleidungsgeschäft. Es ist ein philosophisches Experiment: Kann man Massenproduktion mit Qualität verbinden? Kann Effizienz mit Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen? Ist es möglich, globales Wachstum zu erreichen, ohne die kulturelle Identität zu verlieren?

Die Antwort ist: Noch nicht perfekt, aber auf dem richtigen Weg.

UNIQLO zeigt, dass Freundlichkeit, Bescheidenheit und Exzellenz keine Widersprüche sind – sondern Werte, die auch in der Geschäftswelt funktionieren können. Es beweist, dass man nicht zwischen „billig und schlecht“ oder „teuer und gut“ wählen muss, sondern dass es einen dritten Weg gibt: erschwinglich und hochwertig zugleich.

Und wenn die regelmäßig getragenen Sake-T-Shirts nach fünf Jahren immer noch tadellos aussehen, dann ist das kein Zufall. Es ist japanische Handwerkskunst, Zen-Philosophie und technologische Innovation, verpackt in einem T-Shirt für 15 Euro.


Kanpai! 🍶 Und ein Hoch auf gute Kleidung, die hält, was sie verspricht.